Vom Wesen des Bodens
Text © von Ulrike B. Rapp Humuswelt.de,
Der Boden auf dem wir stehen ist der Ort, an dem sich die Atmosphäre und die Lithosphäre treffen. An jedem Ort vermischen sie sich auf charakteristische Weise, in einer Felslandschaft offensichtlich auf andere Weise wie in einem Regenwald. Auf den Böden, wo wir unsere Nahrung anbauen wollen, repräsentiert eine starke Humusschicht diese intensive Verbindung und Durchdringung der beiden Sphären. So hat der Permakulturforscher Herwig Pommeresche den Begriff der „Humussphäre“ für diese neu entstandene Zone geprägt. Offensichtlich spielen bei ihrer Entstehung die Pflanzen eine besondere Rolle. 40 Meter hohe Urwaldriesen sind nicht zu übersehen. Und mit ihnen, wie mit allen Pflanzen, sind die ganz Kleinen vergesellschaftet, die Mikroorganismen. Wie groß ihre Rolle jedoch ist, beginnt man erst in den letzten Jahren zu verstehen.
Die Entdeckung des sich über 9 Quadratkilometer erstreckenden und mehrere tausend Jahre alten Pilzmyzels in den feuchten Wäldern Oregons war eine Sensation. Doch das eigentliche Geheimnis der Mikroorgansimen ist dies: So klein sie sind, so viele sind sie! Deshalb werden sie auch schon die heimlichen Herrscher des Planeten genannt. Gerechtfertigt scheint dies, weil sie durch ihre Vielzahl eine riesige Oberfläche aufweisen. Hier treten sie mit ihrer Umwelt in Kontakt und verändern sie. Mit ihren Stoffwechsel verändern sie weniger ihren eigenen Körper, als ihre Umwelt.
Leider weiß noch nicht jedes Kind, von ihrer Wichtigkeit.
In einem Quadratmeter gut entwickelten, humusreichen Bodens befinden sich in der obersten Bodenschicht (30 cm tief) zwar etwa 80 Regenwürmer mit einer Körpermasse von ca. 40 Gramm.
Jedoch leben dort auch über eine Billion Mikroorganismen mit einer 5 mal höheren Körpermasse: 200 Gramm.
Und ist nicht selbst der Darm des Regenwurms von ihnen besiedelt?
Um wie viel höher wird die Körperoberfläche der Mikroorganismen sein, über die sie ihre Umwelt, die Humussphäre, verändern?
Und: was machen diese Billionen nun genau da unter unseren Füßen? Sie bauen Pflanzenreste ab, ernähren aber auch die Pflanzen und sie kleben die Bodenkrümel zusammen. So bauen sie So bauen sie auch ihr eigenes „Haus“, ihren Lebensraum, die sogenannten „Bodenporen“, und verbessern ihn ständig.
Und: Im besten aller Fälle bauen sie Humus auf, die Humussphäre! Wir können nur das Ergebnis ihrer Arbeit sehen und fühlen: Ein lockerer, krümeliger von Luft und Licht durchfluteter Boden. Das zeigt sich dann im Chroma-Boden-Bild: es sieht aus wie eine Sonne. Die Tätigkeit der Mikroben ist im Bild durch die „Strahlen dieser Sonne“ repräsentiert. Mit der Luft kommt auch das Licht in den Boden!
Das nebenstehende Bild ist das Bodenchroma vom Kultursubstrat, das in Anlehnung an die aerobe Heissrottekompostierung (CMC -Controlled Microbial Composting) nach Lübke entstanden ist und als Ausgangsmaterial für die Veredelung zur Biozyklischen Humuserde dient.
CMC - Kompost: Potenzierte natürliche Humusbildung
Humus wird in natürlichen Böden über Jahrhunderte oder gar Jahrtausende an der Kontaktstelle der sauerstoffhaltigen Atmosphäre mit der Erdoberfläche gebildet. Landwirtschaftlichen Böden wird jedoch durch die jährliche Bebauung wesentlich mehr abverlangt als den Naturböden. Das kann durch eine Methode, die die natürlichen Bedingungen der Humusbildung imitiert und gleichzeitig potenziert, ausgeglichen werden. Dies geschieht in einer Kompostmiete mit aerober (sauerstoffliebender) Kompostierung nach Lübke.
Wie im natürlichen Boden, muss das Klima in der Kompostmiete durch und durch, also auch in der Kernzone aerob sein. Es gibt nirgends anaerobe Bedingungen im natürlichen Boden. Wenn sie vorkommen, ist es ein krankhafter Prozess. Die Temperatur in einer Kompostmiete ist zeitweise allerdings wesentlich höher als in der natürlichen Umgebung, was die mikrobiellen Prozesse enorm beschleunigt. Gleichzeitig darf die Temperatur jedoch auch nicht zu hoch werden, nicht über 60-65 Grad, denn da würden die „guten“, humusbildenden Mikroorganismen wieder absterben. Die Kompostmiete ist also ein „HOTSPOT des Lebens“ im wörtlichsten aller Sinne. Ein Milieu, das einem Trainingslager gleicht, in dem sich die Mikroorgansimen sozusagen Superpower aneignen! Das ist möglich durch den ihnen eigenen Mechanismus des horizontalen Gentransfers. Derselbe, der sie auch befähigt schnell gegen Antibiotika resistent zu werden. Mit diesem Kompost kann man nun, wenn er sich in der Aufbauphase befindet, auch die spezifischen humusaufbauenden Mikroorganismen in den Boden bringen.
Damit sie da aber wirklich ihre Arbeit verrichten können, müssen noch einige Details stimmen, wie beispielsweise Bodenbearbeitung und Fruchtfolge. In der letzteren hat die Gründüngung eine besondere Bedeutung, weil sie die Mikroorganismen mit Nahrung versorgt. Und mit der Bodenbearbeitung gestalten wir ihren Lebensraum: Da sie empfindlich gegen UV Strahlung sind, muss sofort nach der Ausbringung eine flache Einarbeitung in den Boden erfolgen, und natürlich ohne diesen zu wenden. Das in diesem Kompost gewachsene, ungeheuer vielfältige Mikrobiom bringen die Pflanzen dann in tiefere Bodenschichten, weil es an ihren Wurzeln haftet, wenn sie dorthin wachsen. Die Lübkes konnten so den Humusgehalt ihrer Böden in 10 Jahren von 1% auf 10% erhöhen. In so einem humusreichen Boden wachsen wirklich gesunde, lebendige Pflanzen, die nicht mehr von Schädlingen und Krankheiten befallen werden. Denn das Immunsystem der Pflanzen baut sich im wesentlichen aus dem Bodenmikrobiom auf, in der sogenannten Rhizosphäre.
Die Superpower der Mikroorganismen aus der aeroben Kompostierung geht aber noch weiter: Das Gemüse der Lübkes wurde nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl von offiziellen Stellen auf Radioaktivität getestet. Beim Wurzelgemüse konnte keinerlei erhöhte Werte gemessen werden.
Das mit Abstand größte und auch vielfältigste Mikrobiom befindet sich in einem humusreichen Boden. «Mikroben waren ein paar Milliarden Jahre auf der Erde, bevor irgendein anderes Lebewesen auftauchte. Sie haben fast alles erfunden, was das Leben ausmacht – Stoffwechselvorgänge, die Zellatmung oder die Zellkommunikation und vieles mehr. Ohne die Mikrobenwelt gäbe es uns nicht. Sie stehen am Anfang von allem. So einfach ist das.» (Frei nach Lynn Margulis, die Evolutionsbiologin, die „das Prinzip der Evolution durch Kooperation und Integration“ vertreten hat.)
Deshalb ist der humusreiche Boden, ganz so wie die Lübkes es formulieren: ein ewiger Jungbrunnen.


